Pipettiertechniken

Um Flüssigkeitsmengen präzise zu dosieren, werden im Laboralltag verschiedene Pipettiertechniken angewandt. Die Wahl der richtigen Methode ist entscheidend für die Genauigkeit und Reproduzierbarkeit von Experimenten.

Vorwärtspipettieren ist die Standardmethode für das Pipettieren von wässrigen Lösungen. Dabei wird das eingestellte Volumen aufgenommen und vollständig abgegeben. Diese Technik eignet sich für die meisten Routineanwendungen und liefert bei unproblematischen Flüssigkeiten genaue Ergebnisse.

Rückwärtspipettieren wird vor allem bei viskosen, flüchtigen oder schäumenden Flüssigkeiten eingesetzt. Hierbei wird ein etwas größeres Volumen aufgenommen, sodass nach der Abgabe ein Rest in der Pipettenspitze verbleibt. Dadurch werden Verluste minimiert und die Genauigkeit erhöht.

 

Vorwärtspipettieren Rückwärtspipettieren

Geeignet für wässrige Lösungen und Standardanwendungen

Geeignet für viskose, flüchtige, schäumende oder stark benetzende Flüssigkeiten

Einfache Standardtechnik

Höhere Genauigkeit bei schwierigen Proben

Anfälliger für Pipettierfehler bei problematischen Flüssigkeiten

Reduziert Fehler durch Flüssigkeitsreste, Verdunstung oder Schaumbildung

 

Einflussfaktoren auf die Pipettiergenauigkeit

  • Hohe oder niedrige Dichte: Verändert die Ausdehnung des Luftpolsters und damit das abgegebene Volumen.
  • Viskosität: Zähflüssige Medien erzeugen hohen Strömungswiderstand und hinterlassen Rückstände in der Spitze.
  • Flüchtigkeit: Verdunstung in das Luftpolster kann zu dessen Ausdehnung und Tropfenbildung führen.
  • Schäumende Flüssigkeiten: Erschweren die genaue Volumenaufnahme und -abgabe.
  • Benetzende Oberflächen: Können eine vollständige Flüssigkeitsabgabe verhindern.
  • Temperaturunterschiede: Beeinflussen das Luftpolster und führen zu Messabweichungen.

 

Richtig Pipettieren

Präzises Pipettieren hängt nicht nur von der Wahl der richtigen Technik ab, sondern auch von korrekter Vorbereitung, gleichmäßiger Handhabung und der Berücksichtigung physikalischer Einflussfaktoren. Die Beachtung der folgenden Schritte trägt wesentlich zu genauen und reproduzierbaren Ergebnissen bei.

 

Vor der Pipettierung Während der Pipettierung Bei der Volumenabgabe

Temperaturausgleich
Pipette, Pipettenspitze und Flüssigkeit auf die gleiche Temperatur einstellen

Eintauchwinkel
≤ 10°, maximal 10° Neigung

Pipettierrhythmus
Gleichmäßiger Rhythmus, konstante Geschwindigkeit, einheitlicher Druck

Geeigneter Volumenbereich
Im oberen Volumenbereich der Pipette arbeiten

Eintauchtiefe
Bis 1000 µl etwa 2 mm, darüber 3–6 mm

Volumenabgabe
Spitze an der Gefäßwand abstreifen

Passende Pipettenspitzen
Spitze muss perfekt sitzen, ideal sind Originalspitzen des Herstellers

Wartezeit
Nach der Aufnahme 1 s (bis 1000 µl) bzw. 3 s (>1000 µl) 

Pipettiertechnik
Vorwärts- oder Rückwärtspipettieren wählen

Luftpolster vorbefeuchten
Neue Spitzen vor der Messung mehrmals mit der Flüssigkeit benetzen

 

 

Detaillierte Informationen zu Pipetten - Pipettenarten, Materialien und Einsatzbereiche finden Sie hier.